19.06.2018 Westin Grand Mark Barden 25.09.2018 Bristol Hotel Anna Jandt 06.11.2018 THE Ritz-Carlton Neo Hülcker
18.12.2018 Waldorf Astoria Martin Hiendl 15.01.2019 The Stue Leo Hofmann 26.02.2019 Concorde Hotel am Studio Genoël von Lilienstern

MUSIC FOR HOTEL BARS

SECHS ABENDE IN AUSGEWÄHLTEN HOTELBARS BERLINS

 

Man muss bereit sein, in den Hintergrund zu treten, man darf sich nicht wichtig fühlen, muss einen Klangteppich weben für Leute am Laptop oder hinter einer Zeitung und vielleicht nur ein oder zwei, die wirklich zuhören.

(Simon Schott, Barpianist)

 

 

Zwischen Juni 2018 und Februar 2019 beauftragt die Konzertreihe Music for Hotel Bars die Komponist*innen Mark Barden, Anna Jandt, Neo Hülcker, Martin Hiendl, Leo Hofmann und Genoël von Lilienstern, Musik für je eine Hotelbar in Berlin zu schreiben.

Die Herausforderung für die Komponist*innen, die aus dem Bereich der Neuen Musik kommen, besteht darin, sich dem Metier einer – provokant gesagt – funktionalen Musik künstlerisch anzunehmen. Das Berliner Publikum ist eingeladen, zusammen mit den Hotelgästen einen Abend mit Drinks, Gesprächen und eigens für die jeweilige Bar komponierter Musik zu erleben.

 

Die Abende sind ohne Eintritt und barrierefrei, jede Hotelbar offeriert einen erschwinglichen Signature-Drink.

 

 

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

 

 

 

 

 

 

TEAM

 

Die Konzertreihe Music for Hotel Bars

 

Der Barpianist ist die Verkörperung von Eleganz und Diskretion, und er ist ein Experte für Seifenblasen und längst zerplatzte Illusionen.

(Gerhard Köpf)

 

Die Konzertreihe Musik for Hotel Bars greift das schon seit mindestens 100 Jahren für Komponist*innen reizvolle Thema funktionaler Musik auf. Sie soll soziale Situationen in öffentlichen aber auch privaten Räumen bespielen, die Stimmung heben, den Verkauf ankurbeln, die Lust steigern oder eine Katharsis erzeugen. Was einst Rituale im Kontext traditioneller Gesellschaften waren, findet heute (und das schon seit längerem) seine Entsprechung in der funktionalen Anbindung von Musik an moderne Gesellschaftsaktivitäten. Erik Satie benannte im Jahr 1917 seine Musik für ein Salonorchester – einer sehr typischen Einrichtung funktionaler Musik – als eine musique d’aublement (Musik als Möbelstück), Brian Eno veröffentlichte 1978 die Music for Airports und musikphilosophisch ausgelegt hat das Thema Joseph Lanza in dem Buch zur Elevator Music (1994).

Die Hotelbar bietet der Idee einer funktionalen Musik einen besonderen Rahmen, denn sie offeriert schon alles, was es zu einer musikalisch-sozialen Situation braucht: Eine Ecke für die MusikerInnen, eventuell ein Klavier, eine Bar, gemütliche Sessel und Couches, eine dichte Atmosphäre von Design und Akustik sowie ein Publikum, das an diesem Ort auch Musik erwartet. Hotelbars bieten wie der Konzertsaal schon internalisierte Weisen zu hören: Gegenüber dem genauen Hinhören und Verfolgen des musikalischen Werks im Konzert besteht hier eher die Möglichkeit zur Zerstreuung und Genuss wie einem Drink zwischendurch oder das kurze Gespräch mit dem Sitznachbarn beim gleichzeitigen Lauschen auf die Klänge des Klaviers oder Streichtrios.

Die Konzertreihe Music for Hotel Bars nutzt diese bisher kaum beachtete, manchmal auch diskreditierte Bühne (manche E-Musiker*innen verdienen insgeheim ihr Geld mit Hotelbarmusik) und nimmt sich ihr künstlerisch an. Es wird kein Konzert, in dem das Licht gedimmt wird, die Gäste klatschen, die Musiker auftreten. Die Musik beginnt nebenbei, je nach Komposition oder Song erheischt sie mal mehr, mal weniger die Aufmerksamkeit, sie ist dafür gemacht, nebenbei gehört zu werden.

Das Paradox einer künstlerisch ausgestalteten und funktionalen Musik ist die Herausforderung, der sich die Komponist*innen und Composer-Performer Genoël von Lilienstern, Neo Hülcker, Leo Hofmann, Anna Jandt, Mark Barden und Martin Hiendl annehmen.

 

Neue Musik vs. funktionale Musik

 

Most music chooses its own position in terms of your listening to it. Muzak wants to be back there. Punk wants to be up front. Classical wants to be another place. I wanted to make something you could slip in and out of. You could pay attention or you could choose not to be distracted by it if you wanted to do something while it was on.

(Brian Eno)

 

Um eine Musik für Hotelbars zu entwickeln, zu komponieren, müssen die Komponist*innen oder Musiker*innen bereit sein, sich zurückzunehmen. Es geht nicht um das Zeigen der eigenen Fähigkeiten im virtuosen Sinne, sondern um das subtile Spiel mit der Aufmerksamkeit. Die Aufführungen finden im regulären Betrieb des Hotels statt, so dass sich zwischen den für die Veranstaltung eingefundenen Gästen auch Hotelgäste mischen. Es gilt, sie nicht zu verschrecken, sondern bestenfalls mit der Musik und den Happenings auf ein neues Level der Wahrnehmung zu führen.

Die Hotelbar bietet schon in ihrem regulären Betrieb eine Vielzahl an möglichen Musikformaten an, die die einzelnen Komponist*innen aufgreifen und weiterentwickeln können: Vom Covern bekannter Lieder am Klavier (manchmal mit Gesang) über die Improvisation minimaler Patterns als Ambient oder der Darbietung konzertähnlicher Musik z.B. gespielt durch ein Streichensemble bis hin zu Entertainern, die das Publikum mit einbeziehen. Die Konzertreihe Music for Hotel Bars initiiert so die Begegnung sich teils vermeidender Musikkulturen wie der Neuen Musik, Ambient und der Unterhaltungsmusik und öffnet den Komponist*innen ein Komponieren und Improvisieren jenseits szenetypischer Tabus: In Szenen, in denen es nicht gern gesehen ist, sich als Komponist*in am Publikum zu orientieren oder die Musik einem bestimmten Zweck unterzuordnen, wird es mit Music for Hotel Bars zu einem bewussten künstlerischen Akt, ein Stück zu schreiben – für den Genuss und die exquisite Situation einer Hotelbar.

 

 

Ästhetik der Hotelbars

 

Hotelbars spielen im Leben vieler Menschen eine besondere Rolle. Ob Reisende oder heimische Gäste, Hotels im Fünf-Sterne-Segment behaupten ihren Luxus, indem sie jedem ihrer Gäste die Möglichkeit zur Verwandlung, ja zu einem anderen Leben anbieten. Ist man einmal die Pforten durchschritten, erkennt man als heimischer Gast die eigene Stadt nicht wieder und der/die Reisende macht es sich gemütlich: In Hotels treffen Menschen aus aller Welt aufeinander. Sie richten sich temporär ein, generieren ein Zuhause, ein Bei-Sich-Sein. In der Hotelbar – als einem Ort zwischen privatem Wohnzimmer und Öffentlichkeit –  treffen sie auf engem, intimen Raum zusammen. Meist stilisiert bis ins Detail und atmosphärisch vervollkommend durch Musiker, treffen sich in Hotelbars aber auch alte Freunde auf Geschäftsreise, Fremde über eine Dating-App oder man verweilt über einem Buch und lauscht der Musik; eine solch starke Überschneidung von Privatheit und Öffentlichkeit findet sich kaum in einem anderen Lebensbereich.

Hotelbars besitzen zudem den für Musik wichtigen Aspekt einer Entzeitlichung. Die Hotelbar ist ein besonders komfortabler Transitraum, in dem man wartet, aber auch ankommen kann. Es wird zum Wohnzimmer. Die in der Stadt wohnhaften Hotelbargäste partizipieren gerne an dieser Form der Entschleunigung.

 

PRESSE

Bitte nutzen Sie das untenstehende Kontaktformular

Wenn Sie Fragen haben oder Music for Hotel Bars auch in Ihrer Hotelbar stattfinden soll, füllen Sie bitte untenstehendes Formular aus.

 

Bastian Zimmermann

Künstlerischer Leiter Music for Hotel Bars

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